23.05.2011 Frossi - Robot Unicorn Attack


Frossi „Robot Unicorn Attack“
Label: Eigenvertrieb
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http://www.myspace.com/seineheiligkeitfraserdererste
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Laut dem Alleswisser Wikipedia haben Einhörner eine Menge brauchbarer Fähigkeiten. So lösen ihre Tränen angeblich Versteinerungen. Sie können Tote wieder zum Leben erwecken. Menschen Unsterblichkeit verleihen. Und verwüstete Länder zum Blühen bringen. Auf Fraser und Tossi, die unter dem Namen Frossi ihre gemeinsame EP „Robot Unicorn Attack“ herausbringen, trifft wohl eher das Gegenteil zu. Die Jungs können, wenn überhaupt, maximal saufen, schlecht ficken und jede Menge Mist erzählen. Und das war jetzt absolut positiv gemeint.

Laut Presseinfo haben Fraser schon 2008 alle sieben Tracks (plus einem Intro und einem Bonus-Song) geschrieben und aufgenommen. Dann aber wieder alles verworfen und 2010 erneut aufgelegt. Mittlerweile schreiben wir den Mai 2011 und die beiden Stuttgarter beglücken uns doch noch mit ihrer Einhorn-Attacke. Schlecht für alle Realkeeper. Gut für Freunde der etwas überdrehteren Musik.

„Robot Unicorn Attack“ ist eine seltsame Melange aus harten Ansagen und komischen Ansichten über das Leben. So steht zum Beispiel ein Song wie „Mutterficker“ neben „My Life“ und will da irgendwie nicht reinpassen. Am Ende funktioniert das schon, aber bis sich das dem Hörer alles so erschließt wie es gemeint ist und man in die Welt der beiden passionierten Trinker eintaucht, vergehen ein paar Hördurchgänge. Und am Ende weiß man trotzdem nicht, was da nun ernst gemeint war und was nicht.

Stellenweise wirken Frossi unfassbar unsympathisch. Und das ist in diesem Fall sogar als Kompliment gemeint. Stücke wie das schon oben erwähnte „Mutterficker“ sind dermaßen übertrieben und mit jugendlicher Stimme vorgetragen, dass man nur noch reinschlagen möchte. Mission erfüllt, würde ich sagen. Das Liebeslied an Kanye West („Kanye In Luv“) wirkt dann allerdings doch etwas aufgesetzt und ist nicht mal halb so witzig wie es wahrscheinlich rüberkommen sollte.

Den Jay-Z-Gedächtnispreis werden die beiden für ihre Vortragsweise wohl nicht bekommen, doch das wissen sie selber. Und darauf kommt es ihnen auch nicht unbedingt an. Schlecht rappen ist in ihrem Falle nämlich das neue gut rappen. Nein. So ist es auch wieder nicht. Frossi können schon das, was man mindestens braucht und definitiv noch ein bisschen mehr.

Einen unbedingten Sonderpunkt gibt es für das hervorragende Cover. In Zeiten, in denen man seine Musik in Form eines Mp3-Ordners herausbringt, wird das leider viel zu selten gewürdigt. Wir haben das hiermit getan.

„Robot Unicorn Attack“ ist Musik für junge Menschen, die im Dorf leben und ihre Nachmittage an Bushaltestellen verbringen. Kein Meilenstein was Rap aus Stuttgart anbelangt, aber ein unterhaltsames Sammelsurium an Tracks, die sich selbst zum Glück nicht allzu ernst nehmen. Definitiv mal rein hören!

 

Review: Stefan Pan

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