19.09.2011 Schwäbische Küche - Wurde auch Zeit!


Schwäbische Küche Wurde auch Zeit!
Label: SK-Musik
http://www.schwaebischekueche.de

Die beiden Rapper Sill und Dan sowie ihr DJ Trickz bilden gemeinsam das HipHop-Trio Schwäbische Küche. Schon vor einigen Monaten erschien ihre Platte „Wurde auch Zeit!“ über SK-Musik. 13 Songs plus Intro und Outro verteilen sich auf die 56 Minuten Spielzeit.

Und gleich der Auftakt zeigt, wo es im Verlauf der knappen Stunde hingehen wird: In die Weiten der Turntablism-Kunst! Kaum ein Track kommt ohne die handfeste Arbeit des Plattenschubsers aus. Und das ist auch gut so. Denn „Wurde auch Zeit!“ lebt von den unzähligen Cuts, die sich zum Großteil an Platten aus der großen Deutschrap-Boom-Ära Ende der 90er bedienen.

Und das führt uns gleich zum nächsten Punkt. Schwäbische Küche klingen, als wären sie direkt aus dem Jahre 2001 ins Jahr 2011 gereist, ohne in der Phase der großen Battle- und Street-Rapper rechts rangefahren und eine Zeitreisepause eingelegt zu haben. Denn die für Deutschrap ohne Zweifel wichtige Zeit, mit all ihren raptechnischen und schreiberischen Entwicklungen, wurde da einfach mal übersprungen. Auf „Wurde auch Zeit!“ werden Zeilen und Wörter so betont, wie es heute nur noch taxifahrende Theaterwissenschaftler oder in der Schulkindbetreuung arbeitende Sozialarbeiter tun würden. Das ist mindestens so frisch wie liegengebliebene Produkte auf dem Fischmarkt.

Am Ende bleiben ein gutes Dutzend Beats und jede Menge hervorragende Cuts & Scratches im Ohr hängen. Inhaltlich hat mich die ganze Chose dagegen weder berührt, noch weitergebracht oder gar längerfristig beschäftigt. Vergangenen HipHop-Werten hinterher zu trauern, auf die Individualität des Einzelnen zu pochen, Narkolepsie abzufeiern, stumpfe Sozialkritik zu bringen oder über Zeit zu rappen, lockt nicht unbedingt neue Kundschaft an. Das klingt alles – und das muss man einfach so gnadenlos sagen – zu egal.

„Man sagt ja: Viele Köche verderben den Brei/hey, bei uns reichen schon drei/und nun sei live mit dabei!“, heißt es auf dem Titelstück. Und man möchte ihnen zustimmend entgegen schreien, dass diese Aussage in ihrem Falle so was von wahr ist. Doch ich will nicht nur motzen – auch wenn man jetzt mit dem miserablen Artwork, das heutzutage nicht mal mehr für Free-Download-Alben klargeht, gleich weitermachen könnte – denn „Wurde auch Zeit!“ hat neben der Leistung des DJs auf jeden Fall seine weiteren Höhepunkte. Die muss nur jeder für sich selbst entdecken.

Schwäbische Küche haben ein ganz bestimmtes Bild von HipHop und ihren Teilnehmern im Kopf. Für diese Menschen machen sie ihre Musik. Und diese Menschen werden ihre Version des Bummtschacks auch feiern. Keine Frage. Für mich ist das trotzdem einfach viel zu viel „ich-lebe-für-HipHop“-Klischee und viel zu wenig zeitgemäßer Style. Sorry.

 

Review: Stefan Pan

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