24.11.2011 Damaa - Retroperspektiven


Damaa „Retroperspektiven“
Label: Studio Einz
http://www.studioeinz.de

Was kann man von einem Rapper erwarten, der auf seiner LP gefühlte 2000mal seinen Künstlernamen, den Albumtitel und das Erscheinungsjahr nennt? Richtig, in der Regel nicht viel. Damaa beweist das Gegenteil.

Mit dem Blick auf den Boden gerichtet und MPC und „Bilitis“-Soundtrack in den Händen, lies sich Damaa für das Albumcover von „Retroperspektiven“ vor einer nächtlichen Großstadtkulisse ablichten. Und dieses Bild ist bezeichnend. Es spiegelt genau das wieder, was man auf der kostenlosen Download-LP zu hören bekommt. Größtenteils Songs mit unaufgeregten Sample-Beats, die man an kalten Herbstabenden hört, um gedankenverloren durch die Straßen zu streifen als wäre man die Hauptfigur eines Rocko-Schamoni-Romans. Das verträumte Outro mit seinem ausgedehnten instrumentalen Schlussteil ist da geradezu exemplarisch.

Doch beginnen wir am Anfang. Damaa hat sich einen klassischen Sound auf die Fahnen geschrieben, der wenige Überraschungen bereithält. Dafür geht er die bekannten Wege sicher und zügig ohne sich unnötig zu verlaufen. Denn Damaa liebt HipHop wie manch andere ihre eigenen Mütter. Und das soll auch jeder mitbekommen. In der Welt des Rappers gibt es ausschließlich zwei Dinge: HipHop und den ganzen anderen Rest. Ein roter Faden, der sich durch das komplette Mini-Album zieht. Die Kultur wird vehement verteidigt und der besagte Rest in tiefgründigen Texten – die das Adjektiv tiefgründig endlich mal wieder verdienen – verarbeitet.

Seit Oktober wohnt der gebürtige Freiburger studiumsbedingt im Stuttgarter Westen. Das Album atmet diese Stadtluft. Auf „Jetzt bin ich dran“ fordert er giftig seinen Platz in einem überfüllten Raum ein, beschreibt auf „Vier Wände“ die Magie der Stadt bei Nacht und überzeugt auf „Musik“ mit einer Dead-Prez-Gedächtnishook. Abgerundet werden die neun Songs plus Intro und Outro durch zwei stimmige Interludes. Man nimmt Damaa in jeder Sekunde ab, dass er weiß, was er da tut.

Damaa muss keine zwanzig Accounts bei irgendwelchen sozialen Musiknetzwerken pflegen, um sich dem HipHop nahe zu fühlen. Denn er rappt nicht gegen wack MCs, weil es zum guten Ton des Genres gehört, sondern weil es ihm verdammt noch mal am Herzen liegt. Und wenn sich ein Hörer davon abgeschreckt fühlt, dann ist es ihm auch egal.

„Retroperspektiven“ ist 32 Minuten altbewährte HipHop-Kost, die nicht nur versucht unverfälscht zu klingen, sondern es auch fulminant unter Beweis stellt. Damaa ist ein Album gelungen, gegen das man einfach kaum etwas sagen kann.

 

Review: Stefan Pan

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