24.01.2012 Nasou - Walkman


Label: Eigenvertrieb
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Mit „Walkman“ legt der Stuttgarter Nasou bereits sein zweites Album vor, nach seinem Erstlingswerk „Wer ich bin“. War er mir bis dato noch kein Begriff, so musste ich mich nach dem Hören der beiden fragen, wieso eigentlich? Denn er hat es durchaus verdient, Gehör zu finden!

Seine Musik zeichnet sich aus durch etwas, das vielen Rappern heutzutage fehlt: Charisma und Musikalität! Man muss den Jungen einfach sympathisch finden, denn er rappt (wenn auch stark verbessert) nicht technisch überkrass, aber scheinbar so locker vom Herz weg, wie man sonst eben spricht. Über Themen, die wohl jeden Mensch und Musiker beschäftigen dürften (und nicht nur andere Rapper!). Wie schon auf „Wer ich bin“ zeigt er dabei eine enorme musikalische Vielseitigkeit, denn ihm gelingt locker und unaufgesetzt der Spagat zwischen tanzbar funkigen Tracks („Mal sehen“, „In Bewegung“) und entspannteren und nachdenklichen Songs („Hey du“). Das diese Lockerheit im Musiker-Dasein gar nicht leicht zu bewahren ist, beschreibt er auf „Sie denken ich spinne“ und „Here we go“ ft. Moesoul: „Man muss nunmal Opfer bringen/und wenn du richtig verbissen bist, machst du noch dein Ding!“

Trotz diesem typischen Hustle schafft es Nasou dennoch, extrem gute Laune zu verbreiten, denn er hat nen „Sack voller Songs“(ft. DJ Lenzageddon) dabei, die die Füße wippen lassen, statt dass unnötig die Fäuste fliegen, wie er auf „Hey (bleib cool)“ Stressereien im Club kritisiert. Diese finden ja meist wegen der Art von Frauen statt, die man einfach nur „Knallen“ möchte, was gleichnamiger Song beschreibt und mit einem Augenzwinkern ganz offen und frech zugibt.

Es geht allerdings auch ruhiger und intensiv: „Spiel für mich“ ist hypnotisch, atmosphärisch dicht und steckt voller Anspielungen auf das Thema Musik, ohne es jemals konkret zu erwähnen. Und neben der Liebe zur Musik gibt es ja auch noch geliebte Menschen, die einen aus der „Balance“ werfen können, vor allem wenn sie gehen. Eine bluesige Nummer auf Gitarrenbasis, zu der auch bereits ein Video gedreht wurde, das einen Klick bei Youtube lohnt.  

Textlich herausragend finde ich „Sowas Schönes“ – die Beschreibung wohl einer Frau, bei der man sich eigentlich nicht erklären kann, warum man sie trotz ihrer vielen schlechten Seiten trotzdem so gut finden kann („Du bist so toll intolerant, hörst mir einzigartig schlecht zu / keine ist so naiv, so süß wie du“).

„Tighte Bitch“ featured Deenie S. und Jifusi, in Stuggi ja hinlänglich bekannt, ist technisch gut, inhaltlich geht es aber nicht um Frauen, sondern um die Art von Typen, die eigentlich nichts reißen, aber auf „Big Daddy, Pimp, Player, dick auf Chief“ machen. Hier hätte die ein oder andere sattere Punchline („ein Fisch bleibt ein Fisch / und ne Bitch bleibt ne Bitch“) dem ganzen jedoch gut getan. Die pumpende Bassline dürfte jedoch gut und gerne auch im Club funktionieren.

Besser gefällt mir persönlich Nasou jedoch mit Gitarre in den ruhigeren und musikalischeren Momenten, wie auf „Bye Bye“, das zunächst scheinbar auf das Thema Herzschmerz zusteuert, indem sein Mädel ihm „etwas sagen“ muss, was er dann allerdings nicht mit geheucheltem Verständnis quittiert, sondern -  mit 2 Schüssen aus der Waffe in seinem Handschuhfach! Smart, denn dieser unerwartete Bonny & Clyde – Flavour gefällt!  

Alles in allem bewegt sich Nasou im „Spiel des Lebens“ hoffentlich voran mit dieser Platte! Mit „Musik aus der Seele“ eines Walkmans, „ungezwungen und frei“, mit vielen echten Instrumenten, gut gelaunten und entspannten Melodien und ebensolchen Hooks daherkommt. Und wer auf solche Styles Bock hat, sollte den Jungen unbedingt auschecken! Sehr gut vorstellbar für mich auch auf diversen bald wieder anstehenden Sommer-Gigs! Will ich sehen und hören!


Text: MausDef

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