21.02.2012 Flyerz & SAiZ - FLAiZarbeit EP


Label: Eigenvertrieb
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„FLAiZ“ steht für eine Kollaboration aus den Beatbastlern/Rappern SAiZ und Flyerz. Beide stammen aus Marcus Staigers Geburtsort Leonberg und bieten dem interessierten Hörer seit gut einem Monat ihre EP „FLAiZarbeit“ zum kostenlosen Download an. Dabei wirken gerade mal sieben Stücke, zwei Remixe, ein A cappella und ein Instrumental erfrischend übersichtlich, in einer Zeit, in der jeder Rapper inklusive seiner Jugendhaus-Homies ein lieblos zusammengeklatschtes 20-Songs-Mixtape raushauen darf.

Auch wenn man nach dem ersten Hördurchgang das Gefühl hat, dass man diese Mischung aus Punchline-, Street- und Themen-Rap schon einmal gehört hat, fällt es einem leicht sich Highlights herauszupicken. Ob das Intro mit seinen Doubletime-Passagen, „Ich bin süchtig“, in dem sehr unterhaltsam auf den Social-Media-Wahnsinn unserer Generation eingegangen wird oder „Destroya“ und „Streetfighter“ mit ihren packenden Hooklines, die beiden Leonberger können etwas und sind durchaus gewillt, dies auch unter Beweis zu stellen.

Viele Lines wirken zwar etwas angestaubt („veräppeln wie iPhone“), doch die beiden Rapper sind in der Lage Texte zu schreiben, bei denen Reime und Pointen stimmen. Ein sehr dichter, geradezu orchestraler Soundteppich trägt das Werk zweier Jugendlicher, die wissen, was sie wollen. Statt alle Geschmäcker zu bedienen, wird Wert auf einen roten Faden gelegt, der sich durch die sieben Tracks zieht.

„Ich rappe, um meiner Stadt eine Stimme zu geben / du nur, um Pimmel zu nehmen“, heißt es auf „Green Mile“. Flyerz & SAiZ reproduzieren in ihrer Musik das eine oder andere übertriebene Männlichkeitsbild. Dieses basiert darauf, die Stimme auf aggressiv zu trimmen und den neusten Spruch gegen deine Mutter, Freundin oder in ihren Augen weniger männliche Männer zu kicken. Doch so funktioniert für sie und viele andere Aktive und Hörer eben Punchline-Rap. Wer’s mag. Wer’s nicht mag, wird ihnen auch relativ egal sein.

SAiZ und Flyerz wirken teilweise so, als wären sie im Jahre 2006 stehengeblieben: MySpace ist alles, was man für die eigene Promo benötigt, Punchline-Rap das große Ding, mit dem man ganze Alben füllen kann und der Spirit einer Mzee.com-Foren-Kollaboration liegt permanent in der Luft. Richtig frisch wirkt das alles nicht. Doch sei’s drum. Wenn die Jungs Bock darauf haben, kann man ihnen mangelnde Innovation nicht vorwerfen. Lieber eine Crew, die etwas Altbewährtes beherrscht, als eine, die etwas Aktuelles lediglich kopiert.

Die EP, die leider ohne Cover-Artwork auskommen muss, wird mit Sicherheit ihre Fans bekommen. Dafür klingen die Beats und Flows einfach zu gut. Mit dem einen oder anderen Schuss vor den Bug, müssen die Jungs in Zukunft trotzdem rechnen. Denn um von allen gemocht zu werden, ist ihre Musik manchmal einfach zu abgetan.


Review: Stefan Pan

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