30.03.2012 Sykon - Danny Darko


Label: Eigenvertrieb
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Es gibt junge Menschen, die nach der Schule mit einer Ausbildung oder einem Studium beginnen, in deren Verlauf sie sich entfalten und ordentlich Lust auf die Welt entwickeln können. Es gibt aber wiederrum auch jene, die ihre Zeit auf der Schulbank beenden und dann irgendetwas tun, mit dem sie sich eigentlich gar nicht identifizieren können. Diese Menschen leben dann häufig von Wochenende zu Wochenende und wachsen langsam aber sicher in eine Null-Bock-Rolle hinein, die sie womöglich mit Suff, Party und wöchentlichen Abstürzen kompensieren. Für diese gesellschaftlichen Bruchpiloten schrieb Sykon sein erstes Solo-Album „Danny Darko“.

Und wie man es von Donnie Darkos Zwilling erwartet, kündigt Sykon mit dieser 16 Tracks starken LP den Weltuntergang an. Okay, nicht ganz, aber zumindest seinen eigenen Untergang. Denn möchte man dem, was der Rapper auf „Danny Darko“ von sich gibt, Glauben schenken, dann ist seine Welt nicht unbedingt der geilste Platz zum Sein. Das tägliche Arbeiten stresst – dessen Sinn erschließt sich ihm sowieso nicht. Frauen, Erwachsenwerden und die (Nicht-)Findung der eigenen Rolle in der Gesellschaft überfordern ihn, was er mit Weed und – zum Glück – seinem Rap bewältigt. Denn Rap ist für Sykon Selbsttherapie.

„Wenn du das Album hier nich‘ feiern kannst, dann nur weil jeder fucking Song zu ehrlich ist“, heißt es im Booklet und Titelsong des von L.U.I., Covi, El Krank, Phil, G-Can-Do und Sykon selbst produzierten Albums. Melancholische Sample-Beats der klassischen Schule unterstreichen die depressive Grundstimmung der Platte. Doch Sykon ist kein Teenie mehr, der eine Depri-Schiene fährt, weil die süße Susi aus der Neunten ihn nicht mag. Eher ein junger Mann, der größtenteils unpeinlich auf den Punkt bringt, was ihm an Negativem durch den Kopf schwirrt. Häufig in Form von metaphernreichen Zweizeiler-Songs, Storytellern oder fiesen Battle-Tracks auf das Papier gebannt.

„Danny Darko“ klingt wie aus einem Guss. Inhaltlich und Beattechnisch zieht sich ein roter Faden durch das von Heitech gemixte und gemasterte Album. Die von AndiTablez und DJ Phar gecutteten Hook-Lines geben dem Werk den letzten Schliff. Ab und an könnte man sich zwar an dem immer ähnlich intonierten Flow stoßen, doch das wäre auf hohem Niveau gemeckert. Sykon ist vielmehr ein Rapper, der am Ende des Tages in der Lage ist, eine Langspielplatte zusammenzustellen, die von der ersten bis zur letzten Sekunde Sinn macht. Lückenfüller muss man da schon mit der Lupe suchen.

Sykon wird leider nicht jeden musikalischen Geschmack zu 100% treffen. Das hat aber – wie gesagt – etwas mit unterschiedlichen Geschmäckern und weniger mit seinem Können zu tun. Ein Hördurchgang von „Danny Darko“ kann einen ziemlich runterziehen, doch zugeben muss man trotzdem: Sykons erste Soloplatte ist wirklich gut gemachte Musik. Definitiv weiter so.


Review: Stefan Pan (Twitter: @likeitis93)

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