05.06.2012 Bico & Samir Triple ONE


Label: MedusaVision
http://soundcloud.com/bico-na-nanko
http://myspace.com/soulstasamir
http://youtube.com/bicovideos

Rap ist Soulmusik - immernoch

Nicht von ungefähr steht am Anfang dieses Zitat von Curse. Kennt man den guten Samir doch vor allem von zahlreichen Kollabos mit dem MC mit der Reibeisenstimme. Wie dort schon Samirs Stimme hervorragend als Kontrast dazu harmonierte, so gelingt dies auch hier angesichts von Bicos tiefem Organ und Flow irgendwo zwischen Megaloh und Tone. It´s eben mostly tha voice. Aber nicht nur damit, auch beattechnisch kann das Album, äh sorry, Mixtape punkten. Fast nicht gemerkt, auch wenn hier bspw. Instrumentals von Camp Lo´s „Luccini“ oder den Roots verwendet werden. Einige scheinen (mir zumindest) auch völlig unbekannt. Was mir aber auch gar nichts ausmachen muss, erhält es doch die Freude am Zuhören! Besser so, als „Shook Ones Part 200.000“. Und dem ganzen einen persönlichen Stempel aufdrücken, anstatt Ami-Flow und Hook zu kopieren, dafür gibt’s Punkte! Das muss man hier als gelungen bezeichnen.

Weiter zum Inhalt: Sowohl Bico als auch Samir können beide auf einige Jahre im Musikgeschäft zurückblicken. Bico hat wohl in Schweinfurt und bayerischer Umgebung schon einige erfolgreiche Mixtapes released und hängt laut Facebookpage  mit Kollegen wie Mic Donet (Xavier, warst du taub?), Mehrzad Marashi und Tyron Ricketts ab. Da wird wohl noch einiges kommen, was mit musikalischem Können und Qualität zu tun hat. Oder, auch wenn´s bisschen eklig klingt: mit Niveau. Denn nach dem üblichen Intro und dem Eingangs-Representer „Samir & Bico“ werden hier Frauen nicht typischerweise wie Bitches behandelt, sondern trotz ihrer Eigenheiten als „Himalaya“ angehimmelt und das Hochgefühl danach in „Der Tag erwacht“ beschrieben. Doch es ist natürlich auch nicht immer alles nice, wie das anschließende „Krieger des Lichts“ vermittelt. Wobei man mir die kleine Kritik verzeihen möge, dass dieses Paolo Coelho–Motiv schon oft Verwendung fand (Silbermond lässt grüßen).

Auch der in „Klassenkampf“ thematisierte, beschwerliche Weg von der Unter- zur Oberschicht ist sicherlich nichts Neues, aber immerhin nicht plump was vom eigenen „Hustle“ rezitiert, sondern in Storytelling aus der 3. Person verpackt. Was man so mitbekommt, wenn man sich vielleicht auch mal holen muss, was einem zusteht, möglichst ohne dabei abzuheben, das wird in „Wenn die Nacht anbricht“ kritisch beleuchtet. Doch die schnellen Freuden des Nachtlebens wollen Bico und Samir hinter sich lassen, um ein „Neues Kapitel“ aufzuschlagen. Wirst du da(bei) sein? Dann tu „Alles für die Fam“ mit Taleb Khalil (sic!), statt große Reden zu schwingen! Denn am Ende des Tages zählt nur „Loyalität“, ein Aufruf an all jene, die Wissen dem schnellen Geld vorziehen. Each one teach one! Auch nicht neu, aber lobenswerte Attitüde, die nach eigenen (Workshop-) Erfahrungen schmeckt.

Abschließend gibt’s noch ´nen Remix von „Wenn die Nacht anbricht“, der aber atmosphärisch für mich nicht mit der ersteren Version mithalten kann. Wozu also? So erhält ein in sich stimmiges Werk einen etwas beliebigen Abschluss. Was übrigens auch auf den letztlich unschlüssigen Titel der Platte zutrifft.

Fazit: Solides Werk, dass mehr als einmal Hören wert ist. Vor allem die Stimmen gefallen. Gute Beatauswahl. Raps mit ambitionierten Inhalten und Erfahrung. Battlerap ist anders – mit Absicht!    


Text: MausDef

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