14.06.2012 SAiZ - ANUBiZ


Label: Crossflow Entertainment
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Wenn man nicht gerade auf drittklassigen Nickelodeon-Serien hängengeblieben ist, verbindet man mit Anubis in der Regel eine ägyptische Gottheit, die mit stylischem Schakalkopf, Zepter und Anch-Kreuz ausgestattet ist. Und genau solch eine Type ist auf SAiZ‘ neustem Album „ANUBiZ“ abgebildet. Gegnerische Rapper können sich wohl auf ihre Einbalsamierung gefasst machen. Der Renninger nimmt sich auf seiner Platte zwar Zeit für den einen oder anderen seriöseren Ton, doch hauptsächlich werden weniger gute Wortakrobaten unter die Erde gebracht. Rap über Rap ist das Ding, das SAiZ beschäftigt.

Mit 13 Tracks, verteilt auf 41 Minuten Spielzeit, ist das Album relativ schlank geraten. Dabei wird die erste Hälfte – wie im vorangegangenen Abschnitt schon erwähnt – von klassischem Punchline-Rap der 2003-2007er Schule getragen. Der zweite – mit fünf Stücken etwas kürzer ausgefallene – Teil besinnt sich auf inhaltlich tiefergehende Themen wie zum Beispiel Freundschaft, Gesellschaftskritik oder das klassische Mutmachen. Nach sieben Battle-Songs in Folge hätte ein ernsteres Lied vielleicht schon etwas früher ganz gut reingepasst, doch so hat man wenigstens das Gefühl, dass SAiZ bei seinem Tracklisting einen Plan im Kopf hatte.

Hört man die ersten SAiZ-Parts, fallen einem gleich mehrere Dinge auf. SAiZ verstellt seine Stimme ein wenig. Er presst sie aus dem Bauch heraus, trimmt sie auf aggressiver. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Viel wichtiger ist das tatsächlich vorhandene Können. SAiZ kann nämlich mehr als nur flowen (was er in so mancher Hochgeschwindigkeitspassage deutlich unter Beweis stellt), bringt anständige Mehrsilbenreime auf‘s Papier und ist im Besitz einer Punchlinedichte, die so manchem angehenden Juristen mit Bossaura ein anerkennendes Nicken abringen könnte. Dass das komplette Aufgebot an den pompösen, gar theatralischen Beats ebenfalls von SAiZ höchstpersönlich produziert wurde, ist ein weiterer wichtiger Pluspunkt auf der Habenseite. Damit untermauert SAiZ deutlich, dass er nicht nur einen Sommer lang Rapper spielen möchte, um die Mädels seiner Stadt mit eigener Record Release Party im hiesigen Jugendzentrum zu beeindrucken.

Nun könnte man meinen, dass „ANUBiZ“ der Shit wäre. Im Grunde ist das auch so. Leider schleichen sich in den Korb voller süßer Rosinen ein paar verfaulte Trauben in Form von unreflektierten homophoben Äußerungen und nichtssagender Dramatisierung ein. Zeilen wie zum Beispiel „die Politik bekommt von Westerwelle Faust in den Dickdarm/was wollt ihr mehr, wir haben nen schwulen Nazi-Außenminister“ („Glashaus“) oder „hab neben der Musik all die anderen Werte verkannt/doch ich steh trotzdem für euch heute da mit Herz in der Hand“ („Tag Eins“) lassen SAiZ leider dümmer erscheinen, als er höchstwahrscheinlich ist. Doch Obacht: Wir meckern hier auf hohem Niveau. Die Regel sind solche Zeilen auf diesem Album zum Glück nicht.

Denn SAiZ beweist mit „ANUBiZ“ erneut, dass er Rappen und Beats basteln kann. Eine mehr als anständige Vorstellung, die durch den einen oder anderen Quatsch heruntergezogen wird, der leider auch nicht mit „das ist halt Battle-Rap“ oder „nur ein Mittel zum Zweck“ entschuldigt werden kann. Trotzdem: Der Rap und die Beats sind mehr als nur gut! Zwei plus.


Review: Stefan Pan (Twitter: @likeitis93)

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