18.12.2012 Plazma - Fuzion


Label: Own Style Recordz
http://www.myspace.com/plazmarap
http://www.youtube.com/plazmarap

“Okay. Plazma. Im 2000 zum muttergefickten 12. Mein Soloalbum. Fuzion.“

Wenn ein Rapper sein Album mit diesen Worten beginnt, möchte man eigentlich gleich wieder auf die Stopptaste drücken. Nein, auf ein weiteres uninspiriertes Machwerk von einem jungspundigen Schimpfwortversessenen, der auf seinen Deutschrap-Idolen der etwas härteren Gangart hängen geblieben ist, haben wir ungefähr so fieberhaft gewartet wie auf eine weitere Superheldenverfilmung. Zum Glück kann die oben zitierte Ansage als einmaliger Ausrutscher auf dem neuen Album des Künzelsauers Plazma betrachtet werden. Der Junge kann mehr.

Die restlichen 14 Stücke auf „Fuzion“ gehen nämlich relativ gut runter. Gleich auf dem zweiten Anspielpunkt „Bierschinken“ wird gemeinsam mit Suwhat ordentlich repräsentiert, geboastet und geschenkelklopfert bis der anfängliche Schreck aus dem Intro verdaut ist. Und spätestens wenn Plazma in „Süzzer Perverzling“ aufs positiv ekligste von seinen Liebhaberqualitäten schwärmt, ist man im Pubertätsmodus angelangt (und hat zu Recht Spaß dabei). Doch auf „Fuzion“ wird nicht nur dem Schulhofhumor gefrönt, auch ernstere Töne werden angestimmt. „Glas mit Herzen“ ist trotz schrecklichem Vocal-Sample einen Lauscher wert, „Schleier der Zeit“ eine schöne Auseinandersetzung mit vergangenen Beziehungen und „Zu spät“ kein Ärzte-Cover, sondern ein von einem Piano-Sample getragenes Drama im Rap-Gewand. Und als ganz großes Highlight sticht sowieso die Anti-Novoline-Hymne „Casinolife“ hervor.

Die Themenvielfalt auf „Fuzion“ ist recht umfangreich ausgefallen, was nicht zwingend für Plazma sprechen muss. Denn wenn man inhaltlich eine große Menge Mensch bedienen möchte, läuft man schnell Gefahr, ein Reißbrettalbum zu produzieren. Zum Glück ist Plazma daran gerade noch so vorbeigeschrammt. „Fuzion“ schafft es immer noch in der Gänze zu unterhalten. Trotzdem wirkt der Künzelsauer, als hätte er seine Nische noch nicht zu 100 % gefunden. Die Feature-Orgie (11 von 14 Tracks mit Unterstützung anderer) nimmt Plazma und seinen massig vorhandenen Qualitäten zusätzlich das Spotlight. Was das Präsentierte letztendlich etwas verwässert und vom eigentlichen Grund für dieses Album ablenkt: Plazmas Rap-Talent.

Es gibt viele Aspekte, die man Plazma ankreiden könnte: Die teils eher mediokren Gesangsvorstellungen von Melva, die manchmal etwas merkwürdigen Hooks oder das Wegguck-Plattencover, das aussieht, als wäre es von Savas‘ „Tot oder lebendig“-Fotosession übrig geblieben. Ihr erkennt das Problem?! All diese Punkte haben nichts mit Plazmas anständigen schreiberischen Fähigkeiten oder seinem variantenreichen Flow zu tun. Diese kriegsentscheidenden Punkte beherrscht er nämlich größtenteils hervorragend. So manche Schlacht verliert er aber trotzdem, da Plazma leider (noch) nicht durchgehend genügend Geschmackssicherheit beweist, um ein rundes Produkt abzuliefern. Schade.

„Fuzion“ ist ein interessantes Album, das hier und da zwar noch etwas ungeschliffen wirkt, doch das Talent seines Schöpfers auf jeden Fall durchblitzen lässt. Und mit 44 Minuten ist es kurz genug geraten, um es beim sonntäglichen Morgensport zu genießen. Also ran an die kostenlosen mp3s und selbst eine Meinung bilden!


Review: Stefan Pan (Twitter: @likeitis93.de)

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