14.02.2013 Seller & Petit - Zerrissene Flyer


Label: Schon Stier Production
http://schonstier.blogspot.de

Könnt ihr euch noch an die Hochzeit der Flyer erinnern? Überall lagen sie herum. Suchte man am Morgen danach seine Taschen nach dem verschollenen Geldbeutel ab, hatte man erst einmal einen Stapel von ihnen in den Händen. In Zeiten der Facebookschen Veranstaltungseinladungen neigt sich diese Ära jedoch so langsam dem Ende zu. „Zerrissene Flyer“ von Seller & Petit handelt zwar nur am Rande von diesem Umschwung, doch nostalgisch wie bei dem Gedanken an den letzten großen Handzettel, den man in den Fingern hatte, wird man nicht nur im Intro dieser 8-Track-starken EP.

Knochentrockene, samplebasierte Beats, fetzige Cuts und eine Attitüde, mit der man sich keine Freunde macht, ergeben ein Soundbild, das an New Yorker Schule der Neunziger ebenso erinnert wie an Huss&Hodn oder gar die jungen MOR. Das bedeutet keinesfalls, dass wir es hier mit einem Rip-Off, einer Kopie einer Kopie zu tun haben. Nein, Seller & Petit würzen all diese Komponenten mit einem Schuss jugendlicher Provinzsozialisation und Alltagskultur. Boombap 2.0 quasi. Eine herrliche Mischung, mit der auch auf der Landstraße fahrend Mack10 Spaß und vor allem Sinn macht.

In Seller & Petits Welt sind schwule Rapper noch die Feinde und hässliche Freundinnen Angriffsflächen. Dabei schreiben sie die Zeilen, wie es sonst keiner macht (aus „Meister am Mic“), besingen Geislingen an der Steige, die Stadt der verkifften, stieren Individuen (aus „BBB“) und gehen gegen schwulen Sound vor, der sich als Lady-Rap tarnt (aus „Schon Stier“). Stets politisch unkorrekt schütten die beiden Schwaben eine ordentliche Kelle Arroganz aus, die wohl auch noch bis nach Göppingen rüber spritzt. Das Ganze aber nicht, weil sie die muskelbepackten Motherfucker vom Block sind, sondern weil sie einen schlichtweg cleveren – mit Eistee gedopten – Eindruck machen.

Als wirklich passioniertem HipHop-Hörer fällt es einem relativ schwer, „Zerrissene Flyer“ von Seller & Petit nicht zu mögen. Der Zug der Innovationen hat zwar nicht am Bahnhof der beiden Rapper Halt gemacht, doch schlecht geht definitiv anders. Eine durchaus fesselnde Angelegenheit, die es auf dem Crew-Blog für umme gibt.


Bericht: Stefan Pan (Twitter: @likeitis93)

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