17.05.2013 Kid Taru - Robokid


Label: Eigenvertrieb
http://soundcloud.com/kid-taru
http://www.facebook.com/pages/Kid-Taru/167031106695165
http://www.myspace.com/tarunajs

Kennt ihr Kid Taru? Nein?! Das glaube ich nicht! Ihr wart bestimmt schon einmal auf einer Jam, die er mit seinen Raps bereicherte. Oder ihr seid an einem Bild vorbeigelaufen, das er mit Dose und Talent zum kleinen Meisterwerk machte. Einer, der schon ein paar Tage länger in der HipHop-Kultur umtriebig ist, veröffentlichte vor ein paar Wochen sein erstes offizielles Album. Kid Taru aka Taru Najs aka der Writer setzt sich mit „Robokid“ sein persönliches musikalisches Denkmal. Und jeder sollte einmal reingehört haben.

„Robokid“ ist eine Art Best-Of-Album Tarus bester Tracks. Alles, was sich in den letzten Jahren angesammelt und in seinen Augen den Test der Zeit bestanden hat, ist auf dem Album mit dem kultigen Cover gelandet. Vornehmlich sind das auf elektronische bis klassische HipHop-Beats gepackte Themensongs, die schnell ins Ohr gehen und leicht verstanden werden können. Es geht um das Flaschensammeln („Ratz Fatz“), das Ausrümpeln („Müll“) oder die Lieblingsfarbe („Orange“). Mit Ausnahmen wie das bedrückende „Und ich weiß es“ eben einfache Konzepte, die entsprechend programmatisch umgesetzt wurden.

„Ich will ein Stück vom großen Kuchen, ich will ein Stück vom Speck“, heißt es auf dem namensgebenden Titelsong „Robokid“. Klar, Taru weiß selber, dass er kein Rapstar mehr wird. Aber genau um solche reißerischen Sätze geht es ihm in seiner Musik. Träume, Ideen, Wünsche und Fantasien zu formulieren, die manch einer im fortgeschrittenen Alter so vielleicht nicht mehr aussprechen würde. Durch Rap zum Superhelden werden. Denn als Kind der Achtziger ist man den He-Man-Actionfiguren und Heavy-Metal-T-Shirts manchmal immer noch näher, als dem 9-to-5-Job. Der „Emil & Reinhold“-Zweiteiler ist dafür vielleicht das beste Beispiel. Statt über das eigene Leben zu sprechen, erzählt Kid Taru lieber mit präzisen Worten die Geschichte zweier völlig gegensätzlicher Menschen, die beide ihren Film fahren und dafür gemäß entlohnt werden.

Durch die Bank ansprechend von DJ Phantom, Mopsi Mops, Klempner, Kontra und Nikos Aavram produziert, weiß „Robokid“ im Laufe seiner 16 Tracks – verteilt auf 61 Minuten –besonders durch seine Refrainqualitäten zu überzeugen. Da sitzen die Schlagwörter, da passen die Singalongs, da treibt die Stimme. So und nicht anders schreibt man seine Hooklines für die Bühne. Da interessiert es auch nicht mehr, ob die Lieder für ein kohärentes Gesamtkonzept inhaltlich vielleicht zu wild gemischt sind.  Man verzeiht Taru sogar einen infantilen Track wie „SM“ samt dem unlustigen Sprachfehler.
 
Sicherlich, Kid Tarus Rap-Stil wirkt des Öfteren ein wenig antiquiert, doch auch ohne auf dem State Of The Art zu sein, kann Taru Najs eine Stunde mit seinem Rap unterhalten. Es benötigt nicht immer den giftigsten Battle-Track, den ehrlichsten Seelenstriptease oder den tanzbarsten Party-Song, manchmal reichen auch einfach nur drei 16er, eine treibende Hookline und ein simples Thema.

Und an dieser Stelle sei noch einmal an den ersten Abschnitt dieser Rezension erinnert. Kid Taru ist ein Stuttgarter HipHop-Urgestein und „Robokid“ ein ehrliches Stück Arbeit. Wie gesagt: Jeder sollte reingehört haben.


Review: Stefan Pan (Twitter: @likeitis93)

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