13.03.2012 Azzlacks drehen durch Tour 2012 - Universum Stuttgart

Da sitzt man Sonntag nachmittags gemütlich vor der Glotze und checkt nebenbei mal Facebook und dann? Schreiben die Homies: Haftbefehl, Stuttgart, heut Abend, 20 Uhr, Karte übrig, wie sieht´s aus? Tja, nachdem man eh schon die ganze Zeit mit entsprechenden Zitaten um sich schmeißt, diffuse Handbewegungen nachahmt und in meinem Fall sogar jobmäßig schon ständig mit diesem Phänomen konfrontiert ist, überlegt man da natürlich nicht lange. Also los, auf auf, ab unter die Dusche und ab gehts, Azzlacks drehen duuuurch!

Schon auf dem Weg fallen mir zahlreiche „Thug Life“–Träger auf, ich rechne mit massig Auflauf von Stiernacken, Goldketten, Eastpack-Bauchtaschen und übel gelaunt dreinblickenden Tschabos. Und natürlich einer ordentlichen Schlägerei mit Polizeieinsatz, schließlich scheint das seit dem Rheinkultur (R.I.P.!) oder der Autogrammstunde im Picaldi-Store schon dazu zu gehören. Aber easy, alles gar nicht mal so Gangster wie erwartet. Stattdessen einige Kinder (what the hell am Sonntag Abend?!!!), die nicht reinkommen, weil ab 16, außer mit den Eltern, kein Witz, so gesehen! Ansonsten natürlich die üblichen Verdächtigen, aber auch ganz viele Kartoffeln wie ich, gestandene Rapfans oder in wack und mit Möchtegern-Kanackis. Wie auch immer, gute Stimmung, erstes Bierchen, kein Stress weit und breit und die Zivi-Bullen überall sind auch friedlich. Kann losgehen...

Nach ausschließlich französischem Streetrap aus den Boxen eröffnet der bei Azzlacks neu gesignte Kurdo das Programm und wird vor allem von den weiblichen Fans ganz vorne schwer gefeiert. Aber die feierten den ganzen Abend auch jeden, der auf der Bühne stand, mit lautem Gekreische. Jedenfalls sehr motiviert und hungrig, aber auch mit guter Laune, der Newcomer. Man sieht ihm an, dass er die Tour und die Fans genießt. Trackmäßig kann ich nicht viel erzählen, raptechnisch live aber kann man sagen, da kann man sich noch steigern. Das Mikro gehört immernoch vor den Mund und die Backups geübt. Ach ja, und der Soundmann auf seinen Platz.
 
Dann kommen die Hypemans der Stunde, Celo & Abdi mit Haftis kleinem Bruder Capo. Vor allem letzterer hinterlässt bleibenden Eindruck, spuckt Feuer ins Mic und fordert das Publikum. Dazu groß und breit gebaut, mit glänzendem Äußeren, ein Azzlack Steroid, äh Stereotyp! Der Kerl hat für eine gewisse Zielgruppe auf jeden Starpotenzial, ist sich unsere kleine Expertenrunde (höhö) relativ einig. Und er will es, man merkt es ihm an, jedesmal wenn er sagt: „Ey, lass uns den und den Track spielen!“ Alles, was man schon ansatzweise von den 3 Jungs gehört hat, wird gespielt. Nur irgendwie außerhalb der Raptexte nie geklatscht, höchstens kurz gegrölt btw gekreischt. Rumhoolen ist wohl das neue Applaus.  
 
Und wir warten. Warten auf den Baba. Aber er kommt nicht. Das Bier wird mehr, der Abend später, das Geld weniger und immernoch die Vorgruppe. Bemerkenswert: es wird sogar ein Freestylebattle auf der Bühne gestartet. Capo ruft „Jungs, die rappen KÖNNEN“ zu sich auf die Bühne. Das Resultat allerdings eher ernüchternd bis Fremdscham. Arme Mutterstadt...wo sind deine Freestylehelden? Wohl nicht bei den Azzlacks.

Dann endlich: Der Baba haut es auf Kanackis raus an alle Blocks! H.A.F.T. und seine Sonnenbrille, hmmm! Die sieht übrigens genauso aus wie die von Biggie und genau so viel wie dieser bewegt sich Hafti auf der Bühne. Schritt vor, Schritt zurück, Backups links und rechts und vorne. Entschuldigt sich nach erstem Track erstmal für eine schwere Grippe, die ihn fertig macht, wegen der er aber die Leute nicht enttäuschen wollte und sich trotzdem ins Universum geschleppt hat. Ehrenh.a.f.t., aber für 20 Euro und das lange Warten nicht wirklich entschädigend. Nach 6 Tracks muss ich mal schnell aufs Klo, bevor der Gallus und das Glänzen kommt. Dacht ich. Komm zurück, Konzert schon vorbei, Bühne leer. Noch Fragen? Aber was weißt du schon von Gangster-Scheiß?


Bericht: MausDef

 

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