04.04.2012 Kool Savas und die Liga der außergewöhnlichen Mcees - Roxy Ulm

Okay, vorab muss ich zugeben: Ich gehörte zu den Hängern, die keine Karte mehr für die Aura Tour mehr bekamen, weil sie es verpeilt hatten. Dank verständnisvoller Freundin lag dann als Ersatz die Karte für dieses Konzert unterm Weihnachtsbaum und hing seit Monaten wartend über`m Schreibtisch. Vorfreude und Spannung en masse also, wenn auch in Ulm. Das Roxy war mir von einer Jan Delay -Tour noch als gute Location in Erinnerung und liegt ja auch in einem schönen, gemütlichen Städtle!

Dementsprechend fuhr man schon morgens (damit sich´s au lohnt, gell) mit der Bahn los und machte sich einen entspannten Tag mit ein bisschen Sightseeing, shoppen und chillen am Donauufer, immer dabei im Hinterkopf: die letzte Bahn nach Stuggi fährt schon um 22.45 Uhr(!). Also fleißig was gepostet und gehofft, man findet noch `ne Mitfahrgelegenheit, um den Schluss des Konzerts nicht zu verpassen. Werden sich ja wohl noch ein paar Stuttgarter ins Auto setzen und sich das reinziehen wollen, oder?

Dank immer wieder aufkommendem Pisswetter (April halt) schon vor dem Einlass um 19 Uhr am Roxy, sah man dort schon ne ganze Menge Menschen. Sind halt schon saubekannt, die Jungs, mittlerweile. Am Einlass alles easy, nette Security, und bemerkenswert: die Konzerthalle mit Treppenstufenaufbau! Da sieht nachher jeder was, geil! Aber immernoch keine Stuttgarter Nase zu sehen...

Zum Glück ist dieser Savas ein Perfektionist und daher auch bekannt für Pünktlichkeit. Fünf nach Acht – Showtime! Savas, Laas, Orsons, Olli Banjo – müssen uns wirklich nix mehr beweisen, tun es aber bereits im Intro, der Rapfan in mir gleich gecatcht. Einfach Part für Part ein neuer Rapper, jeweils Jubelrufe, aber alle warten auf den King, der als letzter dazukommt, die Menge tobt, die Bühne ist voll, die Liga ist da! Baaaaam! Einfach schon jetzt ein geiles Bild, auch dank überragender Lichteffekte.

Nun versprach Savas ja im Vorfeld ein „neues“ Live-Konzept, welches den alten Jam-Charakter wieder aufleben lassen sollte. Hieß in der Umsetzung: die anwesenden Acts wechseln sich auf der Bühne ab, spielen Collabo-Tracks („Denkmal“) zusammen oder ein Plan B doppelt mal den Laas. Sooooo neu ist das für „Catch a fire“ – Kenner ja nun nicht, macht aber trotzdem enorm Spaß, weil man nie weiß, wer als nächster kommt. Und weil alle zusammen wirken statt jeder für sich. Unity und so, you know? Bemerkenswert auch, dass der „lieber tote Rapper als lebende Singer/Songwriter“ und seine Liga diesesmal mit Band auftraten! Oder gab´s das schon bei Aura?

Um den Rappern ab und zu eine Verschnaufpause zu gönnen, füllte übrigens Comedian(?) Buddy Ogün, bekannt aus diversen Savas-Trailern, die Lücken. Joa, ganz nett, aber auch bissle ausgelutscht, die „dummer Kanacke vs. Bildungsbürger“ -Witze. Gut aber für den Spannungsbogen des Konzerts, indem ansonsten Hit auf Hit („Und dann kam Essah“, „Rapfilm“,  „Pistole“, „Backpack Inferno“, „Bananaholladance“...) folgte, gewürzt mit neuem Material der Orsons-Juice-EP, die sich als sehr livetauglich herausstellte!

...für ein geneigtes Publikum. O-Ton Savas: „Ulm, ihr seid bis jetzt das schwächste Publikum der Tour, kein Witz!“ Es regierte schwäbische Gemütlichkeit, vor allem auf den Treppenstufen. Zwar ganz toll, aber für so ´ne richtige Konzertatmosphäre? Tödlich. Erstens sieht man eh alles auch ohne zu springen, zweitens fällt man vielleicht die Stufen runter und drittens ist man ganz weit oben halt auch ganz weit weg von der Bühne. Schade, da wirklich jeder anwesende Mcee tolle Live-Power ausstrahlte. Einzig Olli Banjo erschien mir erst auf dem Liga-Track neulich und nun auch live etwas müde, was ist da los? Dafür aber dieser Savas! Allein schon bei ein paar Backups für Laas(!) so motiviert, so hungrig, so in Form! Sowas habt ihr nie gesehen(„Respect“)...gelungene HipHop-Feierei! Wer auch sonst sollte ein solches Konzert dem Ende zu führen, wenn nicht der Träger der „Aura“? Gänsehautfeeling pur. Danach Feuerzeuge und kollektives Mitsingen bei „Nichts bleibt mehr“, das war´s, aus, Ende.

Natürlich nicht! Zum Schluss nochmal alle Mann auf und vor die Bühne, rein ins Publikum, den Abend feiern mit dem Tour-Track! Alles springt, es wird gestagedivet, Band und Lichtmann geben nochmal Vollgas, man selber mittendrin, WOW! Was soll jetzt noch kommen?! Olli Banjo schnallt sich ne Gitarre um, stimmt Nirvanas „Smells like teen spirit“ an und Savas flowt darüber! Alle nochmal hoch uff die Box, mach den Helikopter!!! T-Shirts, Mützen, verschüttetes Bier und Schweiß in der Luft, Ausnahmezustand, Mission complete! Destination time: 22.20 h! Perfekt! Reicht am Ende sogar noch wieder gemütlich auf den Zug zurück nach Stuggi. See you auf´m Open!


Text: MausDef

 

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