09.05.2012 Aphroe & Masta Ace - Speakeasy Stuttgart

So kann aus einem Zufall ein legendärer Abend werden: Eigentlich befinden sich die beiden Rapper nämlich nicht zusammen auf Tour! Glücklicherweise gelang es jedoch, beide auf diesen Termin im Speakeasy zu vereinen, was sich als absolut gelungener Move herausstellte.

Stellt doch jeder der beiden für sich schon eine Legende dar: Aphroe dürfte dem geneigten Deutschrap-Hörer seit Raid- und RAG-Tagen ein Begriff sein, ebenso als Mitglied von La Familia mit Curse, den Stieber Twins etc. Und bekommt dafür auch heute von aktuellen Künstlern wie Marteria noch Props, wenn dieser erzählt, wie er dank „Eiszeit“ von RAG an der Schauspielschule aufgenommen wurde. Aber wer diesen und andere der metaphorischen und verschachtelten Texte Aphroes kennt, fragt sich wohl auch, wie und ob das auch solo live funktionieren kann. Ich jedenfalls war genau deswegen sehr gespannt auf den Mann.

Und dann Masta Ace. Ganz ehrlich, wer diesen MC nicht kennt, der ist kein HipHop-Fan! Seit Juice-Crew-Tagen repräsentiert er unermüdlich den guten alten Boombap-Rap aus B to the K, hat schon mit ungefähr jedem deiner Lieblingsrapper von MF Doom bis Eminem das Mic geteilt und mit seiner Gruppe EMC, an der Seite von Edo G. oder solo konstant Rapplatten nach bester NY-Machart rausgehauen, Beats and Raps, no Bullshit. Tracks wie „Rollin´ on chrome“, „Acknowledge“, „Hold you“, „Good ol´ love“ oder „Beautiful“ kann man sich einfach immer wieder reinfahren, auch wenn man ihn in Deutschland (oder Tschechien;)) schon oft sehen konnte. Weil sie wohl einfach diesen „Good old days“-Vibe in sich tragen und nach Golden Era 90´er klingen. Wodurch sich der Kreis mit Aphroes aktuellem Projekt „90“, auf dem er über Klassiker-Instrumentals von Gang Starr, Pete Rock & C.L. Smooth, Mobb Deep etc. rappt, wunderbar schließt.

Was kann es in freudiger Erwartung dazu Besseres geben als einen lauen Frühlingsabend, ein Bierchen vorm Wurst&Fleisch sitzend, nach und nach treffen die HipHop-Leutchen ein, von denen man jeden zweiten kennt und man unterhält sich mal wieder und lacht viel. Ein Hauch von Jam-Feeling, beste Voraussetzungen. Und bevor die Sonne nicht weg ist, braucht man auch gar nicht loszulegen. Also war noch Geduld angesagt, bis DJ Mirko Machine (noch so ´ne Legende!!!) um 22 Uhr das Set von Aphroe eröffnete. Und es zeigte sich ein zweigeteiltes Publikum: auf der einen Seite solche, die jeden Track erkannten und nach Kräften mitrappten und auf der anderen anerkennendes Kopfnicken Unwissender, beeindruckt von Ausstrahlung und präziser Klassiker-Flow-Nachahmung des „kompletten MC“. Der jedoch ist natürlich nichts ohne seine komplette DJ-Entsprechung, die er in Mirko Machine gefunden haben dürfte. Dieses Zusammenspiel lieben wir einfach, und wie es sich gehört, bekommt der DJ auch Raum für eine Scratch-Show und dafür ordentlich Props und „Go Mirko“-Rufe. Und was kann ein Rapper sich mehr wünschen, als wenn das Publikum seine Texte auswendig mitrappt? „Ohne Gewähr“, „Pottenzial“, „Westwinde“ und natürlich „Kopf Stein Pflaster“ in Gedenken an Galla(R.I.P.)! Props und Dank an Dexter(!) für neue Beats! Da stehen auch DJ Friction und Emilio mal wie Fans am Rand und machen Bilder für die Cloud. Obwohl ich bezweifle, dass seine Texte live beim ersten Hören verstanden wurden, dieser Aphroe hat es einfach gerockt und definitiv ´ne Reihe neuer Fans!

Zwischendurch wurde ich mal angerempelt und wollte mich schon bei dem Kerl beschweren, als ich erkannte, wer da unter der Kapuze durch die Menge schlich: Ups, das ist er ja! Masta Ace, sein Backup Stricklin und EMC-Member Wordsworth! Letzterer machte dann auch erstmal das zweite Warm-Up, und wie! Obwohl durch die Bank unbekannte Tracks spielend, riss er das Publikum mit, ging immer wieder mittenrein und rappte hautnah vor deiner Nase. Und der deiner Freundin. Aber sympathisch und ganz eindeutig underrated! Obacht, Feuerspucker am Mic! Perfekter Anheizer. Mittlerweile ist es schon 0.00 Uhr...morgen arbeiten? Waaaaayyyne?! Denn:

Wer hat wieder einen Rucksack? Ace hat immer einen Rucksack! Und Marco Polo an den Decks dabei! Und Stricklin, den molligen Sympathieträger von EMC. Und einen Haufen neuer Tracks vom kommenden Album „MA Doom“ als Einstieg. Will haben! Gingen gut ab! Dazu die Tracks, auf die man eben wartet, wie oben beschrieben. Schon ist es wieder da, dieses Feeling: „Put your L´s in the air for love“, kollektiver Gesang bei „On the Grind“ und „Beeeaaauutifuuul“, Accapellas, EMC-Kollabo-Tracks mit den Jungs und, mit B-Boy-Circle im Publikum, Durchdrehn bei „Rollin´“. Kennt man zwar, aber genau deswegen macht´s ja so Spaß! Weil der Typ mit den Schweißbändern sie auch jedes verdammte Mal braucht, wenn er auf Tour ist, und es trotzdem so unten hält mit den Leuten, noch Autogramme gibt und Fotos mit sich machen lässt. Und der wird ja auch nicht jünger - wie wir alle, ne?
 
Schön, dass er und Aphroe uns trotzdem einen Abend lang zurück in die 90er gebeamt haben - legendär!


Text: MausDef

 

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