13.06.2012 Kurtis Blow - Corso Bar Stuttgart

Was geht eigentlich ab mit der Corso? In immer kürzeren Zeitabständen werden hier und im Speakeasy immer wieder interessante und noch selten bis gar nie dagewesene Acts gebucht. Die ausverkaufte Location sprach auch am letzten Mittwoch wieder für sich. Rappelvoll ist noch untertrieben für das Gedränge! Wer auf Körperkontakt mit anderen Menschen und deren schweißverklebten Shirts steht, war hier genau richtig.

Oder natürlich, wer einfach mal eine lebende Legende namens Kurtis Blow live erleben wollte. Wer von euch Nasen hat schließlich noch nie zu „Theeeeeeese are the breeeeeaks“ seine Moves im Club gezeigt? Na eben. Über-Hit, immernoch! Aber ansonsten? Vielleicht bin ich zu jung, aber sonstige Hits im Katalog? Klassiker-Alben? Ähhhm, Fehlanzeige oder Bildungslücke? Und kann der Mann dann überhaupt die Party rocken?
Man recherchiert ja dann gerne mal ein bisschen auf Youtube und stellt fest: Uhhh, ganz arg 80er, die Mucke, so mit schlechten Drums etc. Schnell stößt man dabei auch auf seinen Sohn, den ebenfalls anwesenden mit dem kreativen Namen Kurtis Blow Junior. Nun ist Musik ja bekanntlich Geschmackssache, ich weiß. Aber was der Jungspund da raushaut, das ist richtig fiese, sich an „Trends“ anbiedernde Großraumdisco-Mucke, die sich nicht anders als mit dem madigen Begriff „Blackmusic“ beschreiben lässt. Talentfrei, aber klischeebehaftet bis zum geht nicht mehr.
So kam der junge Kurtis dann auch live als Anwärmer rüber: Cap ins Gesicht, Goldkettchen und Grills – dazu ein paar allseits bekannte Hits von Pac, Meth & Red, MOP und Busta im 30 Sekunden Takt und schon läuft die Party. Laaaaame! Hat der überhaupt irgendwas eigenes gespielt?! WTF... 
Plötzlich klingelt sein Handy, Daddy is dran und kündigt an, den Laden jetzt zu übernehmen. Halleluja, jetzt aber! Da Oldschool is in da house, und zwar im Adidas-Trainer und schneeweißen Airforce! Kaum aufgetaucht, schon flippt der Laden, einfach gut, wie man für sein Alter so fresh rüberkommen kann. Trotz seiner 53 Jahre ist der Mann „Under fire“ von Anfang an, steht in der Mitte des Raumes und dreht sich nach allen Seiten, shouted Mitmach-Hooks und hält jedem Mal das Mikro zum Doppeln hin. Und lächelt permanent und ansteckend. Da hat einer das MC-Handwerk verstanden, so rockt man die Crowd! Oldie but Goldie! Da wird auch mal gefreestyled im ursprünglichen Sinne, wenn auch nicht hammer, so doch so unbeschwert und lässig. Dann nach 20 Minuten der Classic: „The Breaks“ kommt rein und zerlegt den Laden! Alles springt, tanzt, lacht, und is having a good time! Und dann: Thank you Stuttgart, gotta go!“ Ähhh, was? Das wars?
Nicht ganz. Er kommt nochmal, hostet ein paar fremde Songs (HipHop Hurray etc.), freestyled noch ein bisschen und spielt dann auch noch was eigenes. „Basketball“ kommt als letzter Track und bleibt auch im Ohr/Smartphone hängen. Nach 40 Minuten war´s das dann. „We have to leave! Peace!“, meint er und ist raus. Wobei ich mich schon fragte, wo der wohl morgens um halb 2 noch hin muss. Ist ja nicht grade auf Welttournee, oder?
Sei´s drum, es war nice, bravo Corso! Nur der DJ danach, der nahm den Kultfaktor des Abends gleich wieder raus. „10 Euro, wenn er nen Track spielt, den ich nicht kenne.“ Wette verloren, back to tha Großraumdisco-Zeugs, komm wir gehen ein gutes Bier trinken im Mata.


Text: MausDef

 

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