16.07.2012 Hip Hop Open 2012

Festival with Schwabosphere Betrachtungen eines Normalos

Groß waren die Erwartungen, noch größer die Vorfreude auf das diesjährige HipHopOpen, das endlich wieder in seiner Mutterstadt stattfinden sollte. Mit den frühen Ankündigungen von Top-Acts wie Mac Miller und Wiz Khalifa oder dem wieder in Rap-Form gekommenen Max Herre trug auch das Line-up seinen Teil dazu bei und machte neugierig, was uns da wohl noch erwarten würde.

Die Early-Bird-Tickets jedenfalls waren preislich absolut in Ordnung, auch wenn man noch nicht genau wissen konnte, wie das Line-up denn nun schlussendlich aussehen würde. Von diesem war ich zwar schlussendlich nicht so wahnsinnig beeindruckt, freute mich aber dennoch auf meine „alten“ Helden der Kolchose als Headliner und insgesamt auf die Festival-Atmosphäre, die Leute, das hoffentlich gute Wetter, die Feierlaune, altbekannte Gesichter, das Stöbern an den Ständen, chillen und beim Graffiti zuschauen. Von den Veranstaltern wurden außerdem ausreichende Toiletten, Trink- und Essmöglichkeiten zu fairen Preisen versprochen, das klang doch schonmal nach nem richtig guten Tag.

Wettermäßig zumindest hatte man Glück, nach leichtem Regen am Vormittag brachte der Rest des Tages optimales Festival-Wetter, heiter bis wolkig und ausreichend für ´nen Sonnenbrand. Und zumindest morgens um 11 war man nach 10 Minuten dann auch drin, keine Bändchen, nur kurzer Ticket-Scan, passt. Gleich mal Richtung Hauptbühne schauen, die ja in diesem Jahr wegen dem hohen Andrang zum ersten Mal auf dem Wasen statt wie bisher im Reitstadion aufgebaut worden war, wo es aber eine Second-Stage mit kleinem aber feinem Line-up (RAF 3.0, Ahzumjot, 1995, etc.) geben sollte. Auffallend bereits auf dem ersten Erkundungsgang: irgendwie so viel Platz, irgendwie so wenig Stände? Naja, ist ja dieses Jahr auch viel größer alles. Denkste.

Zwar war der Wasen-Beton sichtlich angenehmer als der alte Sandplatz, aber sich irgendwo mal hinsetzen außer auf den Boden? Irgendwo mal ein paar Bierbänke oder Sitzsäcke oder sowas? Gibt´s auf anderen Festivals doch auch?! In Stuttgart aber nur für VIP, dafür umso zahlreicher, gestaffelt und mit Top-Aussicht auf die Mainstage. Kann man aber mit gepflegter Festival-Erfahrung drauf scheißen. Sehr wichtige Frage natürlich auch immer: WaskostasBier? Und ist es ausreichend vorhanden? Naja, war ok, bis auf die teilweise wirklich hohlbirnigen Mitarbeiter, die einen zwingen, erst den alten Becher bei der Pfandrückgabe abzugeben und dann erst ein neues Getränk zu kaufen? Einfach tauschen Leute, das passt dann schon. Alten Becher weg, neuen vollen her, ich behalt mein Pfandmärkchen, alles easy, wenn man will. Neu in der Gastro, wa? Preise war´n für Stuggi-Verhältnisse übrigens in Ordnung, find ich.

Nicht so verhielt es sich mit dem Essen. Wer einen Klecks Kartoffelsalat mit zwei Maultaschen für 6 Euro raushaut, der kann mir von fairen Preisen nix erzählen. Und überhaupt: gefühlte 7 Essensstände für 15.000 Leute?! Da wird das lange Warten in der Schlange zum einzigen Ärgernis, wenn man den überragenden Marsimoto nur aus der Ferne betrachten kann, den kompletten Auftritt lang. Toll, danke. Da ging so mancher weniger fanatische Rap-Head lieber nach Cannstatt und holte sich nen Döner! Woran lag´s? Zu hohe Standmieten? Gab ja auch keine Platten- oder Merchandise-Stände, nur Werbung. So hatte ich mir den Festival-“Market“ nicht vorgestellt. Schöner Facebook-Comment: „Auf jedem Dorffestle gibt´s mehr zu essen.“ Word.

Hätt ich aber noch mit allem leben können, man ist ja Optimist und ist ja auch nur ein Tag. Auf geht’s, nach vorne vor die Bühne! Der King of Rap ist da und fordert Tribut! Ähhh, was?! Könnt ihr um mich herum mal ein bisschen leiser reden, ich hör den so schlecht?! Hab ich noch Ohrenstöpsel drin? Fehlanzeige. Ist er denn das auch oder noch das Intro? Kurz mal hochspringen. Nee, ja, er isses. Also Sound scheiße. Oh Gott, das absolut schlimmste, was passieren kann bei einem MUSIK-Festival! Sound scheiße!!! Mir sollte eigentlich grade der Bass den Bauch massieren und das Trommelfell wummern, aber nix! Klingt als wären nur die Bühnenmonitore an. Spontan muss ich an Ferris denken: „Der Soundmann soll sich sofort bei mir und allen entschuldigen!“ Nach fachmännischer Beratung mit SAE-Absolventen lags wohl an den verwendeten Boxen. Komm wir gehen nach hinten zu der Leinwand hinter dem Mischerturm, da ist der Sound besser, sag ich. Das muss man sich mal vorstellen!!! In Hightech-City-Stuggi...sogar mitten in der tschechischen Pampa (Keeeeemp!) ist der Sound besser! Da wurde wohl mal wieder am falschen Ende typisch schwäbisch gespart.

Dem sehr guten Wiz mit Liveband dann aus der Ferne zugeprostet und gefeiert. Er hat die Hits, aber auch die Kids, wir alten Hasen chillen und warten auf Max&Freunde drüben bei RAF 3.0, der auf dem kleinen RedBull-Bus als Bühne(!) wirklich saugut gerockt hat. Dann zurück zur Mainstage und staunen: das halbe Publikum ist weg, gar nicht so viel los vor der Bühne. Jaja, die Kids, schon abgehauen. Wer ist schon dieser MC Kolchose da? Zweiter Versuch vor der Bühne Party zu machen, aber ey: wenn man die wundervolle Joy Denalane aus 20-30m Entfernung kaum hört, muss man doch verzweifeln, oder? Es war wirklich katastrophal, wenn man den Splash-Livestream von Max´ Show schon gesehen hatte. Wie hatte ich schon davon geschwärmt, und jetzt das.

Auf nen weiteren Versuch ließen wir´s dann auch bei der Kolchose nicht mehr ankommen. Lieber taten wir weiter hinten das, was die Jungs auf der Bühne auch taten: Mit allen Freunden feiern, genießen, auf die guten alten Zeiten anstoßen. Man lag sich brüderlich in den Armen und johlte jeden Track ordentlich mit. Und als die Lichter ausgingen, machte  man sich denn auch glücklich und müde (und hungrig) nach einem trotz allem schönen Tag auf den Weg nach Hause und quatschte noch über DJ Emilios T-Shirt.

Zum Schluss noch ein Versuch, die vieldiskutierte Stimmung in Worte zu fassen: Man kam sich eben eher schnell abgefertigt als wirklich willkommen vor. Da steckte zu wenig Liebe drin, um wirklich Festival-Atmosphäre entstehen zu lassen. Es ist eben nicht nur wo du bist, es ist auch was du machst, aber herzlich willkommen zurück in der Mutterstadt, liebes HipHopOpen. 


Text: MausDef

 

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