22.11.2012 Käptn Peng - Manufaktur Schorndorf

Ich gebe es ja zu. Ich bin in letzter Zeit Konzertfaul geworden. Liegt wohl daran dass ich mit meinen 30 Jahren auf zu viel Schrottkonzerten war, die ich auch hätte bleiben lassen können. Aber dank einem Freund, der auf seiner Chronik in Facebook ein Video gepostet bekommen hat, habe ich mich verpflichtet gefühlt mir online das Album auf Vinyl zu holen, mir die anderen Videos alle mehrmals anzusehen und es abzufeiern. Letztendlich habe ich den Hintern hochbekommen und mußte mir den Typen namens Käpt´n Peng dann mal live genauer anschauen.

Der Veranstaltungssaal füllte sich nach Einlass recht schnell mit den verschiedensten Personengruppen die ich in solch einer Form zusammen das letzte mal auf einem Flowin Immo Konzert gesehen habe. Irgendwas zwischen alternativ und total normal, im Alter von 15 bis open end. Es war leicht eine Tendenz mit mehr Frauen im Saal zu spüren.

Ich studierte die Bühne und das Equipment wie es halt eben vor einem Auftritt einsam auf der Bühne steht. Das Setup auf der Bühne versprach auf jeden Fall schonmal Livemusik mit Percussions jeglicher Art wie z.b. einem Industriebesen, Kochlöffel, Schneebesen, Backblech, ein größerer Eimer. Dazu ein Kontrabass und eine Gitarre. Untermalt von real US Underground Rapshit als Warm Up auf das Peng Konzert im Hintergrund laufend.

Planmäßig 25 Minuten verspätet weil immer noch einige Leute am Einlass beschäftigt waren, kamen die 5 Jungs maskiert als Tiere jeglicher Art verkleidet auf die Bühne. Der Protagonist Käpt´n Peng hatte ein Shirt mit einer Mütze drüber auf dem Kopf. Von Albernheit aber war keine Spur. Auch wenn es auf dem ersten Blick albern aussah. Der Beat setzte ein und ich hörte zum ersten mal den größeren Eimer. Verflucht das war die Base und die knallte richtig ordentlich.

Memo an alle Beatbauer dieser Welt. Wenn ihr eine gute Base braucht, dann nehmt einen Blumentrog aus dem Baumarkt und haut auf den Boden drauf. Richtige Mikrofonierung natürlich vorraus gesetzt. Dass ein Kontrabass durch Mark und Bein geht, ist mir hingegen bekannt gewesen. Machte aber den gesamt Sound ultra dick. 

Und zum ersten mal an diesem Abend erschloss sich für mich ein Kreis. Denn die Vinyl, die ich im Vorfeld mir über das Label Kreismusik organisiert hatte, ist genauso fett vom Sound.

Es folgten Texte in Kreisform geflowt. Doppel und 4 fach deutige Wörter die man in alle Richtungen dieser Welt auslegen kann. Texte die einen tieferen Sinn ergeben, die man für sich  weiterspinnen kann wie man will. Reime auf die Endung eines Wortes in 10 facher Variante bezogen. Wer auf eine Message wartet der bekommt es entweder gleich gesagt oder muß es an gleicher Stelle für sich ergründen. Perfekter Stoff für Abitur 2013.

Kätp´n Peng ist ein Bewegungskünstler. Denn er verbog sich in alle Richtungen die der Raum auf und vor der Bühne zugelassen hatte. Zwischen den Liedern gab es reichlich Pausen um sich noch ein wenig zu erklären, ein paar Witze zu reißen um dann weiter zu spielen. Mal doppelte sein Bruder Shaban, der am „Schlagzeug“ stand, den Käpt´n auf Instrumentals von der Platte. Mal war er wieder im Hintergrund und hämmerte die Beats mit der Band. Ist aber Raptechnisch auf dem selben Niveau wie der Käpt´n.

Wahre Skills für Liveperformance zeigte aber Peng, als er Theaterreif mit seinem Socken auf seiner Hand, in einem der vielen Liedern sprach. Unzählige Facetten kamen von der Band zum Vorschein und die Konzertbesucher ließen sich zweieinhalb Stunden einfach mitreißen.

Und so wirr auch alles etwas war. So geil war es auch wieder. Denn die Jungs waren sich selbst. Brauchten sich nicht zu verstellen um noch interesannter zu wirken oder um eine noch größere Nummer zu sein. Sie waren einfach eine große Nummer.

Und wer sich jetzt frägt welche Drogen der Käpt´n bei diesen Texten und Ideen hat nimmt, bekommt als Antwort. Keine. Ich kaufte mir dann noch die CD die auf Ökopapier gedruckt wurde für´s Auto und ein fairtrade Shirt. Und verließ mit einem leicht überforderten Gehirn aber um eine positive Erfahrung reicher die Manufaktur.

 

Bericht: Fränk da Tänk

 

 

 

 

 

 

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