15.01.2012 B.u.S.-Crew: Konzert und Platte

B.u.S. steht fĂĽr „Betrunken und Stoned”, aber auch fĂĽr „Beats und Styles”, „Beatles und Swinger“, „Bier und Sizzurp“ oder „Bauern und Schlampen“. Und wenn man an es darauf anlegt, dann bestimmt auch fĂĽr „Biologie und Sozialkunde“. Diese Art von Code eben, den man so oder so ähnlich schon von K.I.Z. kennt. Doch die B.u.S.-Crew hat wenig mit K.I.Z. gemeinsam. Die B.u.S.-Crew stammt aus Buchen im Odenwald, besteht aus fĂĽnf Mitgliedern und rappt sich eher ĂĽber konservative Wege durch die Welt. Ich war auf ihrer Record Release Party im Stuttgarter SpeakEasy und habe mir anschlieĂźend die dort beworbene Platte „Bus“ angehört.

Es war die Nacht vor Heilig Abend und die Wurst-und-Fleisch-Nachbarn vom SpeakEasy luden unter dem Motto „Juicy HipHop“ zur Homegrown-Party mit den DJs Roy Bear und Jean Darm ein. Der optimale Anlass für die B.u.S.-Crew, um dem Stuttgarter Publikum ihr erstes großes Album „Bus“ vorzustellen.

Da sich das SpeakEasy sehr langsam füllte, ließen sich auch die fünf Männer von der B.u.S.-Crew mit dem Beginn ihrer Show Zeit. Kein Problem, denn ihr Auftritt wurde sowieso eher als kleines Highlight zwischen den DJ-Sets und weniger als alleinstehender Höhepunkt gesehen. So hatten es die drei Rapper der Gruppe – als sie gegen zwei Uhr auf die Bühne des Clubs kamen – auch relativ schwer die Aufmerksamkeit der rund hundert Leute für sich zu gewinnen.

Mit der Zeit raffte aber auch der letzte Styler, der eigentlich kam, um die Mädels mit seinen Tanzmoves zu beeindrucken, dass Live-Musik manchmal besser als ein DJ-Set ist. Eine knappe Stunde präsentierte die B.u.S.-Crew ihre Platte „Bus“ und machte dabei eine Figur, die zwar nicht unbedingt von besonders viel Live-Erfahrung zeugte, aber durchaus nicht als Reinfall zu bezeichnen war. Etwas mehr Bewegung auf der Bühne und weniger konfuse Song-Absprachen direkt vor dem Publikum hätten ihrem Auftritt etwas mehr Professionalität und etwas weniger Jugendhauscharakter verliehen. So blieb vielen Gästen ein Auftritt in Erinnerung, von dem man hinterher eigentlich nur noch die grelle Leinwand im Kopf hatte.

„Bus“ nennt sich der Anlass für diesen Abend im SpeakEasy. Das 17 Songs starke Album der fünf Buchener, das am 17.12. letzten Jahres über Class Records erschien. Und was auf der Bühne noch nicht zu 100% saß, wird auf der Platte mit einem 8:30-Minuten-Stück eingeläutet (!!!) und anschließend besser gemacht. Die Party, die man bei einer Live-Rap-Show erwartet, kann man mit Songs wie „Drei“, „Battle die Welt“, „Schweinehund (Mach dich frei)“ und „Glück“ nun zumindest daheim im Wohnzimmer nacherleben.

Doch „Bus“ beschränkt sich nicht nur auf das übliche Representer- und Battle-Phrasengedresche mit eingängigen Hook-Lines, sondern packt an mancher Stelle auch den einen oder anderen Konzeptsong aus. Gerade wenn man das Gefühl hat, dass der soeben gehörte Vergleich oder Doppelreim noch nicht allzu ausgereift ist, kommen die Rapper mit einem Song wie „Domian“ um die Ecke, in dem skurrile Telefonanrufe beim bekannten Fernsehseelsorger nachgerappt werden. Enttäuschtes Kopfschütteln – dank teilweise mangelnder schreiberischer Fähigkeiten – wird so relativ schnell weggewischt. Denn wenn die Jungs, die alle auf einem ähnlichen Niveau rappen, möchten, dann können sie auch die richtige Prise an Humor und Ideen auspacken. Leider blitzt dieses Gefühl für ein ausgewogenes Songwriting nur allzu selten hervor.

Doch der eigentliche Star der Platte ist sowieso keiner der drei Rapper, sondern Beatbastler IsnDing. Dieser schusterte im Alleingang alle Beats der Scheibe zusammen und durfte sich im Zuge dessen mit dem Interlude „Les Galets“ sein eigenes Denkmal setzen. Sein Markenzeichen sind klatschende Drumpatterns gepaart mit warmen Samples, die bei einem Treffen der Klasse von 1994 für gehöriges Kopfnicken sorgen könnten.

Die Instrumentals sind durch die Bank stärker als die Raps. Das liegt nicht nur an den durchschnittlichen Flows, die es nicht schaffen aus der immensen Masse an deutschsprachigen Rappern herauszustechen, sondern auch an den eher mittelmäßigen textlichen Qualitäten. Kaum eine Line bleibt nach einem Hördurchgang im Kopf hängen. Das gab es so alles schon einmal. Da helfen auch die sechs erfrischenden Beiträge vom fünften Mann in der Runde – DJ Vinylizt – an den Plattenspielern nichts.

Was hängen bleibt, ist das Gefühl, dass das fünf Kumpels sind, die ihren Spaß am musizieren haben und das auch weiterhin tun werden. Eigentlich der wichtigste Ansatz. Und genau deshalb macht die B.u.S.-Crew am Ende des Tages auch Sinn. Ganz egal, ob die Live-Show noch nicht am Zenit ihres Unterhaltungswertes angekommen ist oder das Album nach dem vierten Hördurchgang langweilt. Weitermachen würde ich sagen!


Bericht: Stefan Pan
Fotos: Simmel

 

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